Ein Baby aus dem Ausland
Adoptionen werden in Spanien immer beliebter
Pepe Ramis und seine Frau Dora González hatten sich 1998 entschlossen, ein ausländisches Kind zu adoptieren. Im August 1998 stellten wir den Antrag und im August 2000 flog mein Mann für vier Wochen an die Elfenbeinküste. Die Behörden verlangten, dass man sich einen Monat mit dem Kind vertraut macht, bevor die Adoption vollzogen wird, erläutert Dora González, die als Schönheitschirurgin beruflich stark beansprucht ist. Sie seien sehr kurzfristig an die Elfenbeinküste zitiert worden. Für meinen Mann war es einfacher als für mich, sich frei zu nehmen. Deshalb flog er erst mal allein. Abgeholt haben wir Jesús dann aber gemeinsam. Dora und Pepe nannten ihren Sohn Jesús. Er hat sich zu einem lebhaften, aufgeweckten Jungen entwickelt.
In Spanien sind Auslandsadoptionen in den vergangenen Jahren mehr und mehr in Mode gekommen. War es bis Anfang der 90er Jahre noch eher die Ausnahme, dass sich spanische Ehepaare um die Annahme eines Kindes aus einem Entwicklungsland bemühten, steigt die Zahl der Auslandsadoptionen seit 1997 kontinuierlich an.
Derzeit sind es vor allem Länder wie China, Bolivien, Brasilien, Kolumbien, Honduras, Mexiko, Peru, El Salvador, Russland und Bulgarien, in denen Kinder zur Adoption freigegeben werden. Ganz oben auf der Beliebtheitsskala bei amerikanischen und europäischen Elternanwärtern stehen China, Russland und Kolumbien.
Auflagen entscheidend
Umfragen des valencianischen Sozialministeriums zufolge spielt die bürokratische Abwicklung des Adoptionsprozesses eine wichtige Rolle bei der Landeswahl. Denn so unterschiedlich wie die Kulturen, so unterschiedlich sind auch die Auflagen der einzelnen Länder. Und je bürokratischer das Land, desto länger dauert die Abwicklung der Adoption.
Es gibt Länder, die nur konkrete Altersforderungen stellen und sich mit der Geburtsurkunde, dem Eignungszeugnis, einem Vermögensnachweis und der Heiratsurkunde zufrieden geben. Andere wiederum fordern außer diesen Dokumenten Fotos von der Wohnung der Antragsteller sowie von einer Familienfeier. Wieder andere verlangen außerdem einen Aids-Test sowie zwei Empfehlungsschreiben. Es gibt Länder, die sich das Recht vorbehalten, über das spanische Sozialamt regelmäßige Inspektionen bei der Adoptiv-Familie vornehmen zu lassen, bis das Kind ein bestimmtes Alter erreicht hat. Und es gibt Länder, die Wert darauf legen, dass die Antragsteller keine biologischen Kinder haben.
Extrem viele Auflagen macht zum Beispiel Indien. Die Behörden dieses Landes verlangen sogar eine notarielle Beglaubigung des Gesundheitszeugnisses.
Das valencianische Sozialministerium gibt Adoptionsbewerbern die Fibel Guía para la Adopción (Leitfaden für die Adoption) mit auf den Weg. Sie ist auf Spanisch verfasst und beinhaltet sämtliche Informationen, die bei der Einleitung eines Adoptionsverfahrens von Interesse sind. Auch die Auflagen und behördlichen Nachweise, die die einzelnen Länder von den potenziellen Adoptiveltern verlangen. Lediglich Angaben zu den Wartezeiten werden nicht gemacht.
Anfang des vergangenen Jahres haben auch Momo und Sven Hartung aus Dénia begonnen, sich über eine Auslandsadoption zu informieren. Dass sie keine Spanier sind, macht für sie die Adoption nicht schwieriger. Sie gehen den gleichen Weg, den auch spanische Antragsteller gehen müssen. Das heißt über das Adoptionsamt der valencianischen Landesregierung. Einzige Auflage des spanischen Gesetzgebers für ausländische Adoptionsanwärter: Sie müssen Residenten sein. Der Unterschied für uns als nichtspanische Adoptionseltern ist der, dass wir uns nach der Adoption in China nicht an die spanische, sondern an die deutsche Botschaft wenden müssen, damit das Kind ausreisen kann, erläutert Momo Hartung. Es ist nur noch nicht klar, ob man uns in China einen Pass für das Kind ausstellt. Es kann sein, dass wir nur provisorische Ausreisepapiere erhalten. Wenn das der Fall ist, müssen wir den Kinderpass später über das Deutsche Konsulat in Alicante beantragen.
Autorin: Andrea Beckmann



